1.12.2008
Wir veröffentlichen hier eine Presseerklärung
Text und Fotos von Kesbana Klein
So sieht zurzeit für viele von uns der Sprung über die Elbe aus!
Was wurde uns schon alles versprochen: Wilhelmsburg soll zwei neue S-Bahnhöfe bekommen, der S-Bahnhof Veddel soll einen Fahrstuhl erhalten, der S-Bahnhof Wilhelmsburg soll vollkommen neu gebaut werden, usw.
Wir lesen und hören zurzeit viel über den "Sprung über die Elbe" und die internationale Garten- und Bauausstellung. (IGA, IBA). Alles soll schöner und besser werden.
Doch wir können nicht bis 2013 warten!
Denn für uns Wilhelmsburger sieht die Wirklichkeit zurzeit anders aus. Für ganz Wilhelmsburg und die Veddel ist der S-Bahnhof Wilhelmsburg bis jetzt immer noch der einzige Zugang zur S-Bahn für Menschen, die auf einen Fahrstuhl angewiesen sind.
Und das sind viele. Wilhelmsburg hat rund 60.000 Einwohner!
Darunter sind sehr viele Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte, Eltern mit Kinderwagen, Reisende mit Gepäck, alte und kranke Menschen. Sie alle kommen nur unter großen Schwierigkeiten oder überhaupt nicht weiter, wenn schon einer der beiden Fahrstühle am Bahnhof Wilhelmsburg streikt.
Das passiert zurzeit täglich! Notdürftig durchgeführte Reparaturen halten die Fahrstühle nur noch einige Stunden am Laufen. In der übrigen Zeit sind diese Menschen auf die Hilfsbereitschaft ihrer Mitreisenden angewiesen. Wer auf offizielle Hilfe von der Bahn hofft, wartet meist vergebens.
Die Bahn macht es sich einfach. Die Ausfälle seien zu 90 % auf Vandalismus zurückzuführen. Und das sei schließlich ein gesellschaftliches Problem. (So zu lesen in einem Artikel des Wilhelmsburger Wochenblattes vom 12.11.2008)
Das stimmt nicht! Durch eigene Beobachtungen und Nachfragen bei den Technikern, die die Fahrstühle reparieren, kommen wir zu einem ganz anderen Schluss.
Die Fahrstühle sind wegen ihres hohen Alters den besonders starken Belastungen auf diesem Bahnhof einfach nicht mehr gewachsen.
In den kurzen Phasen, in denen die Fahrstühle funktionieren, werden sie fast nonstop benutzt, bis sie einfach wieder stehenbleiben. Repariert werden sie nur tagsüber und nur an Werktagen.
Bleibt ein Fahrstuhl am Freitagnachmittag stehen, dann wird er frühestens am Montag repariert.
Uns reicht es jetzt. Wir wollen und können diesen katastrophalen Zustand nicht länger erdulden!
Wir (eine Gruppe aus überwiegend Wilhelmsburger RollstuhlfahrerInnen) fanden uns spontan zusammen und beschlossen, uns zu wehren. Unterstützt werden wir von Lucia Safa, Projektleitung des sozialen Treffpunktes des BHH Sozialkontor gGmbH in Kirchdorf-Süd.
Wir fordern in einer Unterschriftenaktion dauerhaft funktionsfähige Fahrstühle am S-Bahnhof Wilhelmsburg und zwar sofort. Wir lassen uns nicht länger hinhalten!
In wenigen Tagen sammelten wir am Bahnhof Wilhelmsburg schon über 1300 Unterschriften.
Die Unterstützung aus der Bevölkerung ist enorm.
Immer wieder hörten wir "Macht weiter so!" "Endlich passiert was!", "Toll, dass ihr das macht!"
Die Menschen warteten zum Teil in einer Schlange, um unterschreiben zu können.
Sehr viele Passanten erzählten uns von ihren eigenen Erfahrungen, ihrer Wut und ihrer Verzweiflung, die sich mit unserer Erfahrung deckt.
Fast jeder hatte schon mit den Auswirkungen der kaputten Fahrstühle zu tun, sei es als Betroffener oder als Helfer.
Dabei hörten wir immer wieder die gleiche Geschichte von RollstuhlfahrerInnen, die auf dem Gleis den Notrufknopf betätigten, weil der Fahrstuhl nicht funktionierte. Es wurde ihnen mitgeteilt, dass keine Hilfe geschickt werden könne und sie wurden aufgefordert bis zum Bahnhof Harburg oder zum Hauptbahnhof weiterzufahren, um dort den Bus Nr. 152 bzw. Nr. 34 nach Wilhelmsburg zu nehmen. Doch diese Busse fahren sehr selten und nur tagsüber.
Bestätigt von diesem Zuspruch sind wir fest entschlossen, weiter zu kämpfen. Je mehr Unterschriften wir sammeln, desto mehr Druck können wir auf die Verantwortlichen ausüben.
Viele haben nicht nur unterschrieben, sondern wollen uns auch aktiv unterstützen. Sie nahmen Unterschriftenlisten mit, um sie weiterzuverteilen. Wir sind dabei, überall in Wilhelmsburg Listen auszulegen. Wer uns unterstützen möchte und noch keine Liste hat, kann sich die Liste im Internet herunterladen:
Unterschriftenliste Bahnhof Wilhelmsburg
Wir planen auch weitere Unterschriftensammlungen am Bahnhof Wilhelmsburg. Wer uns dabei helfen möchte, kann sich bei Lucia Safa unter der Telefonnummer 040 / 21996988 oder per Email unter l.safa(at)vfb.net melden.
Wir bitten darum, ausgefüllte Unterschriftenlisten bis spätestens Mitte Januar zurückzusenden an:
Sozialer Treffpunkt Kirchdorf-Süd
Karl-Arnold Ring 2
21109 Hamburg
oder einfach direkt beim Imbiss auf dem Wilhelmsburger Bahnhof abzugeben.
Hamburg, 26.11.08 Kirsten Dude, Marion Bernhardt, Thomas Trägel, Kesbana Klein, Anja Oranth
Kontakt über:
Lucia Safa, Sozialer Treffpunkt Kirchdorf-Süd
Karl-Arnold Ring 2
21109 Hamburg
Tel.: 040 / 21996988
l.safa(at)vfb.net
Autonom Leben Hamburg - Beratungsstelle für behinderte Menschen
Langenfelder Str. 35, 22769 Hamburg | Tel: 040 - 432 90 148 / 149 | Fax: 040 - 432 90 - 147 | E-Mail: info@autonomleben.de
Letzte Aktualisierung: 1. Dezember 2008