"Können Sie das denn?!" fragten mich viele, als sie erfuhren, dass ich Mutter wurde. Und dann auch noch ein zweites Kind! Sicher, diese Menschen machen sich vielleicht Sorgen. Sie überschreiten mit solchen Äußerungen jedoch auch die Grenzen meiner Persönlichkeitsrechte. Mein Mann und ich haben schließlich differenziert abgewogen, bevor wir uns für ein Leben mit Kindern entschieden hatten. Wie alle verantwortungsbewussten Eltern übrigens auch.
Inzwischen habe ich zwei wunderbare Söhne, vier Jahre und vier Monate alt. Und die Freude, die sie in unser Leben bringen, überwiegt bei Weitem die Schwierigkeiten im Alltag. Trotzdem - die Anstrengung ist groß. Nicht nur für mich, sondern auch für meinen (nichtbehinderten) Mann, der voll berufstätig ist und zudem nach Feierabend noch Aufgaben zu Hause übernimmt. Seit einem Geburtstrauma bin ich gehbehindert und nach zwei Schwangerschaften und durch die tägliche körperliche Belastung, die zwei agile Kleinkinder mit sich bringen, fühle ich mich mit 37 Jahren auch erstmals wirklich eingeschränkt. Früher habe ich ein ganz "normales" Leben geführt: Studium im Ausland, Journalistin beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen, sogar Sport. Als "behindert" habe ich mich nicht bezeichnet. Mittlerweile aber habe ich gelernt, die mir gesetzten Grenzen zu sehen, mir den Alltag entsprechend zu organisieren und - ganz wichtig - Hilfe anzunehmen.
Als Mutter mit Handicap habe ich gute Erfahrungen gemacht, aber auch viele schlechte. Die fehlende Unterstützung durch Ärzte, Unverständnis beim Arbeitgeber, der Kampf mit der Krankenkasse um Haushaltshilfe, Kinderbetreuung und Physiotherapie - um nur einige zu nennen. Andere, wichtige Themen könnten sein:
...selbstverständlich ist es auch erlaubt, bei den Treffen gemeinsam zu lachen und ein leckeres Stück Kuchen zu essen!
Wir brauchen ein Netzwerk von und für uns Frauen. Das Ziel: Erfahrungen austauschen, unnötige Wege sparen, den Alltag erleichtern, Kompetenzen bündeln. Unsere Kraft brauchen wir nämlich für die Familie. Vor allem aber möchte ich Frauen Mut machen, sich für ein Leben mit Kindern zu entscheiden. Denn jede Frau hat ein Recht darauf, sich diesen Wunsch zu erfüllen. Äußere Umstände, Vorurteile in der Gesellschaft und Angst vor dem Abenteuer Familie mögen behinderte Frauen daran hindern, diesen Traum zu verwirklichen. Unsere Kinder allerdings verstehen diese Vorbehalte später am aller wenigsten, zum Glück! Für sie sind wir einfach die Mama - und an uns Müttern als Vorbild können unsere Kinder wachsen.
Willkommen sind alle Frauen und Mütter mit Behinderung oder chronischer Krankheit. Mir erscheint es sinnvoll, sich ohne Kinder zu treffen, damit man in Ruhe und offen sprechen kann. Männer und Angehörige sollen keinesfalls ausgeschlossen werden - doch sind viele der Themen (Partnerschaft, Schwangerschaft, Geburt) recht frauenspezifisch und es fällt einem leichter, Dinge anzusprechen, wenn man unter sich ist. Die Treffen finden alle vierzehn Tage statt in den Räumen des Vereins "Autonom Leben" - diese sind barrierefrei zugänglich (für sinnesbehinderte Mütter werden Unterlagen und Materialien möglichst entsprechend aufbereitet). Die Adresse:
Autonom Leben e.V.
Langenfelder Straße 35 (Altona)
22769 Hamburg
Telefon: 040-432 90 148 / 149
Datum und Zeit des nächsten Treffens erfahren interessierte Frauen gerne bei mir:
Sandra Klatt-Olbrich
Telefon: 0171-191 47 27
E-Mail: Keres@aol.com (Betreff "Mütter-Gruppe")
Ich freue mich auf alle, die sich melden!
Dokumentation „Partnerschaft, Sexualität und Kinderwunsch behinderter Frauen“
Diese Dokumentation ist aktuell von den netzwerkfrauen-bayern herausgegeben worden. Zu beziehen über: Ute Strittmatter, netzwerk-frauen-bayern, c/o LAGH, Orleansplatz 3, 81667 München, Tel: 089 / 45992427, Fax: 089 / 45992428, Mail: info@netzwerkfrauen-bayern.de
Autonom Leben Hamburg - Beratungsstelle für behinderte Menschen
Langenfelder Str. 35, 22769 Hamburg | Tel: 040 - 432 90 148 / 149 | Fax: 040 - 432 90 - 147 | E-Mail: info@autonomleben.de
Letzte Aktualisierung: 14. Dezember 2008